Skip to content

Die Phantom-Eisenbahn von Volterra

Volterra

Wenn man sich die Umgebung von Volterra auf Google Maps anschaut, findet man etwas Kurioses: Zwischen Volterra und Saline di Volterra ist eine Bahnstrecke eingezeichnet. Diese Bahnstrecke hat es tatsächlich gegeben, aber ihre Schließung ist schon eine ganze Weile her: 1958 wurde sie aufgegeben, Gleise und Schwellen sind längst entfernt worden.

Könnte es also sein, dass ich hier etwas Rekordverdächtiges entdeckt habe, nämlich die Google-Darstellung mit der größten zeitlichen Diskrepanz zu den örtlichen Gegebenheiten? Immerhin sind seit der Schließung der Bahn fast 50 Jahre vergangen. Oder gibt es Beispiele mit noch größerer Diskrepanz?

Wie kommt die Bahn überhaupt noch bei Google auf die Karte? Das müßte man wohl am ehesten bei TeleAtlas nachfragen, von wo Google seine Karteninformationen bezieht. Die Bahnstrecke findet sich nämlich auch bei anderen Kartendiensten, die TeleAtlas-Kunden sind, zum Beispiel Yahoo Maps, MultiMap oder Michelin (manchmal allerdings erst, wenn man etwas näher ranzoomt, Michelin zum Beispiel läßt auf der eigenen Straßenkarte die Bahnstrecke korrekt in Saline enden). TeleAtlas wiederum wird die Daten aus den amtlichen Blättern beziehen, und mich würde nicht wundern, wenn man die Eisenbahnstrecke auch noch in den aktuellen Auflagen finden kann.

Nebenbei: Die ehemalige Bahntrasse ist vor Ort übrigens leicht zu finden, und man kann sie auch auf den Satellitenaufnahmen bei Google noch ausmachen. Mittlerweile verläuft da eine Schotterpiste, die als Wanderstrecke ausgewiesen ist. Es ist nicht unbedingt der schönste Wanderweg, den man in der Gegend finden kann, aber es gibt einige hübsche Abschnitte, vor allem im unteren Bereich, wo man schöne Blicke auf die Skyline von Volterra werfen kann, und oben auf dem Berg, wo die ganze Ebene unterhalb der Stadt vor einem liegt. Man passiert die Ruinen der ehemaligen Bahnhöfchen, hier und da sind noch Stümpfe des Gleiskörpers zu entdecken, ansonsten spaziert man vorbei an Feldern und Schrebergärtchen mit laut kläffenden, aber harmlosen Hunden.

In Volterra selbst ist die Bahnstrecke zum Teil schon überbaut worden oder zugewuchert. Das Bahnhofsgebäude steht aber noch, darin sind heute Aufenthaltsräume für die Busfahrer des örtlichen Nahverkehrs, und davor befindet sich ein großer Parkplatz für Touristenautos und -busse. Wenn man den Google-Stadtplan so nah wie möglich heranzoomt, sieht es übrigens so aus, als ob die Gleise irgendwo im Grünen liegen, die Viale della Stazione liegt etwas abseits davon. Das entspricht schon nicht mehr dem tatsächlichen Verlauf, den die Bahn genommen hatte.

Die Bergkuppe, auf der Volterra liegt, ist dicht bebaut und an einigen Stellen auch sehr steil. Für Bahnhof und Gleisanlagen mußte man eine möglichst platzsparende Lösung finden. Also plante man die Strecke so, dass die Bahn die Waggons vor sich her schob, in Volterra erst einmal in eine kurze Sackstrecke fuhr und dann von dort aus die Waggons vor den Bahnhof zog. Wegen der Steilheit des Geländes versah man die Bahn zusätzlich mit einem Zahnrad – das war, wenn ich es richtig weiß, die einzige Zahnradbahn, die von der staatlichen Eisenbahngesellschaft betrieben wurde. Es existiert in der Nähe des Bahnhofs noch eine kleine Brücke, auf der die Bahn die Straße überquerte, die Zufahrt zum Bahnhof selbst ist ein kleiner Spazierweg.

Einen Kommentar verfassen

Ihre E-Mail wird von uns zu keinem Zeitpunkt veröffentlicht oder weitergereicht. Mit * markierte Felder bitte ausfüllen
*
*