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Waymarkr

Das Waymarkr-Projekt erinnert ein wenig an das Wiener 4816-Projekt, zumindest was den Aspekt des Kartografierens und Bewußtmachens unbeachteter Seiten des Alltags angeht. Eine Software läßt das Mobiltelefon (vorausgesetzt, man hat ein Symbian-Handy) unabhängig Fotos schießen und sendet diese an einen Server, der sie zu Fotoserie oder kleinen Animationen zusammenfasst, außerdem können die Aufnahmeorte kartografisch festgehalten werden.

Die Macher sehen ihr Projekt als einen Weg, um die Schönheiten der alltäglichen Routine aufzuspüren:

Unsere Erinnerungen und Wahrnehmungen sind selektiv. Das müssen sie sein, damit wir Dinge geregelt bekommen. Wenn Waymarkr während Deiner alltäglichen Routine läuft, oder wenn Du Waymarkr nutzt, um ein besonderes Event zu dokumentieren, wird es Dir dabei helfen, alles in einem anderen Licht zu erkennen. Es wird Dir die Freiheit geben, einen Schritt zurückzugehen, ein Ereignis noch einmal zu erleben und etwas Neues und Schönes in Deinem Alltag zu erkennen.

Als Experiment zur Sichtbarmachung des Alltags mag Waymarkr vielleicht tatsächlich einen gewissen Charme haben. Allerdings kommt mir diese amerikanische Erweckungsrhetorik dann doch ein bisschen zu grossäugig daher. Und man könnte ja mal ein wenigstens mittelgroßes Fass kritischer Nachfragen aufmachen, zum Beispiel in punkto Dokumentation “besonderer Events”: Wie sieht’s denn da mit dem Recht am eigenen Bild aus? Was ist mit der Dokumentation persönlicher oder intimer “Events”, wenn die Beteiligten gar nicht wollen oder wissen, dass da ein fotografierendes Handy mitläuft? Wenn ich es richtig sehe, gibt es da von Seiten der Waymarkr-Betreiber höchstens das Flickr-typische Weiterschieben des Schwarzen Peters an den Nutzer: Soll der doch als “privat” markieren, was andere nichts angeht.

Der Guardian hat allerdings (anläßlich eines ähnlichen Projekts) auch eine praktische Anwendungsmöglichkeit entdeckt:

“We demonstrated the SenseCam to people at Addenbrookes hospital in Cambridge, and they said it would be particularly useful for the partner of somebody who had very bad memory problems,” says Williams. “It would also be useful for people who have to take their medicine at certain times and forget to do so: the SenseCam would provide a record.”

Handycams als große Brüder für unmündige Menschen: Praktisch vielleicht, aber in dem Zusammenhang hier ist das ein Beispiel mit doppeltem Boden.

(Via Spreeblick, wo sich Johnny lustigerweise in einem anderen Eintrag über Eltern aufregt , die intime Momente aus dem Leben ihres Nachwuchses bloggen – “in aller Weltöffentlichkeit und detailliert recherchierbar dokumentiert”. Well …)

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