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Turgots Paris

Paris

Dieses grandiose Panorama von Notre-Dame stammt aus dem Plan de Paris (besser bekannt als Plan de Turgot) von Louis Bretez, der 1739 erschien. Komplett gibt’s das Werk im digitalen Archiv der Universität Harvard. Ein in seiner Detailgenauigkeit faszinierendes Werk, aber die menschenleeren Straßen haben, gerade weil sie so exakt und penibel wiedergegeben sind, auch etwas Verstörendes. Paris als urbanes Ideal, das nur um seiner selbst willen existiert.

Michel-Étienne Turgot, von dem der Plan seinen inoffiziellen Namen hat, war einer der prominentesten Staatsbeamten des Ancien Régime. Er begann seine Karriere noch unter Ludwig XIV., die höchsten Stufen erklomm er aber unter dessen Nachfolger, Ludwig XV. Als Turgot den Stadtplan in Auftrag gab, bekleidete er das Amt des Vorstehers der Pariser Kaufmannsgilde (Prévôt des marchands), ein bedeutender Posten, der ihm nicht nur entscheidenden Einfluss auf das Wirtschaftsleben der Metropole gab, sondern ihn auch zur maßgeblichen Autorität in Sachen Stadtplanung machte.

Der Plan, den er sich wünschte, sollte mehreren Aspekten auf einmal genügen: Er sollte moderner sein als die traditionellen Stadtporträts der Malerei, aber auch nicht nur ein abstraktes Abbild der Metropole liefern wie die wissenschaftliche Kartographie. Akribisch und genau sollte das Werk sein, um als planerisches Basisdokument dienen zu können, zugleich anschaulich und beeindruckend genug, um die Größe und Idealität der Haupstadt darzustellen.

Louis Bretez war die beste Adresse, die er für seinen Auftrag finden konnte: Mitglied der königlichen Akademie für Malerei und Skulptur (Vorläuferin der späteren Akademie der Schönen Künste und des Institut de France), Inhaber des Lehrstuhls für Perspektive. Fünf Jahre, von 1734 bis 1739, arbeitete Bretez an dem Werk, das dann von Claude Lucas gestochen wurde. Um die gewünschte Genauigkeit zu erreichen, verfügte Bretez über ein Mandat Turgots, das ihm Zutritt zu sämtlichen Gebäuden und Gärten der Stadt gewährte.

Die Harvard-Version soll, heißt es, Teil einer umfangreicheren Reihe mit digitalisierten Plänen und Karten der französischen Hauptstadt sein, die gerade im Entstehen begriffen ist. Sie ist übrigens nicht das erste Digitalisat des Plans, aber das mit Abstand beste. Andere Versionen gibt es bei den Universitäten von Kyoto, Chicago und Southern Maine. (Die Kyoto-Version ist im Moment allerdings nicht zu erreichen.) Eine Flash-Version des Plans, mit der Möglichkeit, von Viertel zu Viertel zu navigieren, findet sich hier.

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