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Kölner Unorte

Unortkataster

Das Unortkataster Köln ist schon seit einiger Zeit online – gelauncht wurde es vor ein paar Wochen aus Anlass des Architekturfestivals Plan08. Inzwischen hat es sich ganz ansehnlich gefüllt: Zahlreiche Nutzer haben auf dem bereitgestellten Google-Maps-Mashup Kölner Lokalitäten markiert, die sie als Unorte empfinden, wieder andere haben die Markierungen mit eigenen Anmerkungen ergänzt.

Das Kataster ist ein Projekt der städtischen Initiative Leitbild Köln2020, das gemeinsam mit der Kunsthochschule für Medien entwickelt wurde (und außerdem in den Rahmen eines umfangreicheren EU-Projekts namens Citizen Media eingeordnet wurde.)

Hinter dem Konzept steht die Überzeugung, dass Anwohner [als] “Benutzer der Stadt” über wertvolles lokales Wissen verfügen, das dazu dienen könnte, schon im Vorfeld von Planungen, Bürger in die Weiterentwicklung des Stadtbildes einzubeziehen. Ziel des langfristig angelegten Projektes sollte sein, möglichst zahlreiche und vielfältige Perspektiven auf die Unorte Kölns zu sammeln und diese kontinuierlich in die öffentliche Auseinandersetzung einfließen zu lassen.

Das ist zunächst einmal ein sehr sympathischer (und auch durchweg ansprechend gestalteter) Versuch, die Öffentlichkeit zur Teilnahme an stadtplanerischen Prozessen einzuladen. Es soll außerdem zu einer Diskussion darüber führen, was eigentlich ein Unort ist: Wie man subjektives Murren über gefährliche Radwege, Müllcontainer auf dem Bürgersteig und Hundekot in den Parks in objektiv nützliche Debatten überführen kann.

Das Unortkataster kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Es gibt an vielen Orten in der Stadt momentan ein lebhaftes Nachdenken darüber, wie das urbane und architektonische Patchwork der Stadt neu organisiert und strukturiert werden kann (oder ob es nicht sogar als Teil der Identität begriffen werden sollte). Da ist zum Beispiel die Kunst-Initiative Liebe deine Stadt. Die ist nicht nur mit einem großen Schriftzug an einem der Plätze präsent, der von vielen Kölnern gerne als Unort nominiert wird (Offenbachplatz/Nord-Süd-Fahrt), sondern sie versucht auch, vermeintliche “Unorte” neu zu betrachten und zu würdigen.

Auf der politischen Ebene gibt es neben Köln2020 auch den Masterplan Köln, eine vor allem von der lokalen Wirtschaft getragene Initiative. Der “Masterplan” hat Albert Speer & Partner (AS&P) mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt, und damit eine der prominentesten Adressen in Deutschland, die sich mit dem Thema Stadtplanung befassen. Da geht es natürlich auch um die Lufthoheit über den Debatten. Die Masterplan-Verantwortlichen haben da schon einen einige Erfolge erzielen können: Die Stadt hat zugesagt, dass am Ende dieses Prozesses “verbindliche Beschlüsse” stehen sollen, der Masterplan ist außerdem als “Regiebuch” der zukünftigen Stadtentwicklung ausgelobt worden. Die ersten Vorschläge, die AS&P machte, stießen allerdings nicht auf besonders viel Gegenliebe bei den Initiatoren aus der Wirtschaft: Die Bedürfnisse von Unternehmen und Einzelhandeln seien da nicht genügend berücksichtigt worden.

Auch die Macher des Masterplans wünschen sich einen lebhaften Diskurs mit der Öffentlichkeit. Die öffentlichen Veranstaltungen waren tatsächlich auch gut besucht. Im Internet tut man sich aber eher schwer damit, den Fortgang der Diskussion darzustellen: Die Einstiegsseite kündigt immer noch eine Veranstaltung vom 9. Mai 2008 an, aktuellere Texte findet man erst beim weiteren Herumstöbern und ganz aktuelle Entwicklungen sind noch überhaupt nicht abgebildet.

Das Unortkataster ist da ein wesentlich frischeres Beispiel.

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