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Googles Rom

Das alte Rom in 3D: Google hat einen Layer für Google Earth veröffentlicht, in dem man virtuell durch die antike Metropole fliegen kann. Der Layer basiert auf dem Rome Reborn-Modell der Universität Virginia. Und das wiederum hat zum Vorbild das legendäre plastische 1:250-Modell, das der Archäologie Italo Gismondi von 1935 – 1971 anfertigen ließ.

Wenn man sich schon als Kind die Nasen an den Vitrinen platt gedrückt hat, in denen dreidimensionale Modellstädte zu bewundern waren, dann muss man solche virtuellen Stadtwelten ja mögen. Aber bei allem Respekt vor der technischen und gestalterischen Entwicklungsleistung: Ähnlich wie die Modelleisenbahnwelten ist auch Googles antikes Rom ein bisschen zu ideal, um mich lange zu fesseln.

Denn Rom in 3D ist im wesentlichen eine tote Stadt, in der man Spuren von Leben nicht nur deswegen vermisst, weil keine Menschen zu sehen sind. Zwar gibt es einen klaren zeitlichen Bezugspunkt, nämlich das Jahr 320, als Konstantin regierte. Rom verließ damals gerade seinen Zenit als politischer Mittelpunkt der antiken Welt, und die Monumente, die für uns heute das Bild der antiken Stadt ausmachen, waren fast alle gebaut und noch in Nutzung.

Asterix-Leser haben also nur eingeschränkt die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wie die Stadt zur Zeit des Comic-Helden ausgesehen haben mag. Viele der gezeigten Gebäude waren zu Cäsars Zeiten noch nicht mal in Planung. Andererseits waren einige von ihnen um 320 schon ziemlich alt, und dass die Zeit nicht spurlos an ihnen vorübergegangen war, ist anzunehmen. Das Kolosseum zum Beispiel musste im 3. Jahrhundert mehrfach renoviert werden.

In den 3D-Bildern sieht man davon wenig bis gar nichts. Die Caracalla-Thermen sehen so aus als ob sie gerade eröffnet worden wären. Überhaupt ist die ganze Stadt sehr clean, aufgeräumt und ordentlich. Kein Chaos, keine Slums, keine Bauruinen pleite gegangener Immobilieninvestoren. Googles Rom ist weniger das Abbild einer Stadt als ein historisches Phantom, das so nie existiert hat.

Spaß macht’s trotzdem.

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